Adolf Wölfli: Brotkunst aus der Waldau

Adolf Wölfli litt zeitlebens an Schizophrenie — doch der Psychiater Walter Morgenthaler nahm ihn als Künstler ernst und förderte seine Begabung. 1921 veröffentlichte Morgenthaler das Buch «Ein Geisteskranker als Künstler». Wölfli wurde zum prominentesten Vertreter der Art brut. Während seines Aufenthalts in der Nervenheilanstalt Waldau, von 1895 bis zu seinem Tod, schuf er rund 1460 Zeichnungen, 1560 Collagen und 25'000 Seiten in selbst gebundenen Büchern mit Erzählungen, Gedichten und Musikkompositionen.
Ein eigenes Universum
Mit einfachen Materialien — Bunt- und Bleistiften auf dünnem Makulaturpapier — verwob Wölfli Prosa, Poesie, Illustration und Musik zu einer persönlichen Utopie. Geschildert wurden Eindrücke aus Schangnau, Bern, der Waldau und dem Emmental: die einzigen Orte, die er kannte. Sein bildnerisches Universum missachtete die Grenzen der Gattungen und nahm Strategien vorweg, die Avantgardekünstler erst nach dem Zweiten Weltkrieg für sich entdeckten.
Ab 1916 schuf Wölfli wegen grosser Nachfrage regelmässig einzelne Zeichnungen und Collagen — sogenannte «Brotkunst», die er gegen notwendige Güter und Malutensilien eintauschte. Von den mehr als tausend Blättern sind heute etwa 760 erhalten.
Zwei Werke Wölflis kamen an der Herbstauktion 2024 zum Aufruf.