Frans Francken II: Der Kunstsammler und der geigende Tod

Der Kunstsammler
Frans Francken II gilt als der Vater der gemalten Galeriedarstellungen. Vermutlich entstand das Bild aus der Hand eines bislang anonymen Ateliermitarbeiters mit Details vom Meister selbst, im ersten oder frühen zweiten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts.
Gemalte Sammlungskabinette im kleinen Format sind höchst selten erhalten. Dass hier erstmalig in einem Interieur aus seinem Atelier zwei, vielleicht drei ideale Gelehrtenporträts gezeigt und identifiziert werden konnten, ist die innerbildliche Rarität dieses Gemäldes. So ist der am Globus sitzende Herr der Antwerpener Kartograph und Geograph Abraham Ortelius (1527–1598). Neben ihm erkennt man, auf eine Schnecke weisend, den in Antwerpen geborenen Kabinett-Miniaturisten Joris Hoefnagel (1542–1601). Möglicherweise zeigt ein weiteres Porträt Conrad Gessner (1516–1565), der erstmals 1561 eine aus dem Orient eingeführte Tulpe publiziert und illustriert hatte — eine These von Dr. Ursula Harting, gestützt auf die Tulpe im Bouquet, die auf ihn weist.
Der geigende Tod
Der geigende Tod als Symbol der Vanitas gibt ein beliebtes Thema der holländischen Kunst im 17. Jahrhundert wieder. Das Bild mit seiner bemerkenswerten Grösse — dieses Sujet wurde meist kleiner dargestellt — wurde von Dr. Ursula Harting im Original begutachtet und als authentisches Spätwerk von Frans Francken II identifiziert.
Dr. Harting erklärt die dargestellte Szene: «Der skelettierte Tod spielt dem Reichen zum letzten Tanz auf. Der jedoch verweist auf seinen wohl gichtigen Fuss, der ihn daran hindern würde.» Im Durchblick in den hinteren Raum sieht man den faustischen Pakt mit dem Tod. «Es ist eine amüsante Pointe, die wieder einmal für Franckens Erfindungsgeist steht.»
Wir danken Dr. Ursula Harting, dass sie sich die Zeit genommen hat, dieses spannende Werk, das seit 50 Jahren nicht mehr auf dem Markt gewesen ist, zu begutachten.
Aus den Highlight-Broschüren des Auktionshauses Zofingen.