Hollywood im Hosensack und die Ewigkeit dazu

«Cut» ruft der Director. Auf die Sekunde genau werden die einzelnen Szenen eines Films geschnitten. Der Regisseur Otis Turner konnte sich dabei auf seinen edlen Chronographen verlassen, den ihm Carl Laemmle, der oberste Boss der Universal Studios, 1914 geschenkt hatte: einen Chronographen von Jules Jürgensen mit Schleppzeiger. 1914 drehte der Regisseur drei Filme für die Universal. Sie müssen erfolgreich gewesen sein, sonst hätte es kaum ein so kostspieliges Geschenk gegeben. Otis Turner war ein produktiver Regisseur: In nur zehn Jahren, von 1908 bis zu seinem Tod 1918, drehte er 130 Filme. Mit seiner Uhr muss er immer pfleglich umgegangen sein — zeigt sie sich doch in einem ausgezeichneten Erhaltungszustand. Carl Laemmle gehörte zu den mächtigsten und erfolgreichsten Filmbossen der USA, passend dazu sein Slogan: «I’m the Moving Picture Man».
Eine Uhr mit ewigem Kalender wäre für Laemmle kaum als Präsent in Frage gekommen, denn allzu viel Zeit durfte sich kein Regisseur bei seiner Arbeit lassen. Eine solche Uhr passte besser an den Zarenhof, wo man glaubte, für ewig zu bestehen. Unsere Patek Philippe mit ewigem Kalender wurde vom schwedischen Händler Ericsson nach Russland ausgeliefert, passend mit kyrillischem Kalendarium ausgestattet. August Ericsson war von 1865 bis 1915 Hoflieferant in St. Petersburg und lieferte nur Uhren der besten Hersteller. Die Patek Philippe mit ewigem Kalender und Minutenrepetition war auch für ihn nicht Alltagsgeschäft; für eine solch kostspielige Uhr gab es nur einen beschränkten Abnehmerkreis. Ericsson wird ihn im russischen Hochadel, wenn nicht gar in der Zarenfamilie selber gefunden haben.
Mit Anna Karenina hat Universal 2012 auch einen Film aus der Zarenzeit herausgebracht. Aber das ist eine andere Geschichte.
Aus den Highlight-Broschüren des Auktionshauses Zofingen.