Sammlung Georg Reinhart: Ein privates Gesamtkunstwerk aus Winterthur

Georg Reinhart (1877-1955) zählt zu den eigenständigsten Sammlerpersönlichkeiten der Schweiz — ein Mann, der Kunst nicht nach Marktlage oder Prestige erwarb, sondern nach dem einzigen Kriterium, das für ihn zählte: der unmittelbaren Überzeugungskraft eines Werks und, wie er 1921 in seinem Sammlungskatalog schrieb, seiner «angeborenen Freude an der Kunst». Im Haus «Tössertobel» oberhalb Winterthurs entstand über Jahrzehnte ein Ensemble, das europäische und asiatische Skulptur, Grafik und Malerei zu einem privaten Gesamtkunstwerk verband.
Wotruba, Haller und ein Hesse-Aquarell
Aus seinem Nachlass präsentierten wir eine konzentrierte Auswahl: Steinbildwerke von Fritz Wotruba, der feinsinnige Frauenkopf von Hermann Haller — einem der engsten künstlerischen Weggefährten Reinharts —, ein Tessiner Aquarell von Hermann Hesse aus dem Jahr 1921 sowie Niklaus Stoecklins Bildnis des Sammlers von 1932. Als grafisches Hauptwerk ergänzte Félix Vallottons Mappe «Intimités» die Auswahl.
Werke aus der Sammlung Reinhart erscheinen selten auf dem Markt: Bedeutende Teile befinden sich heute im Kunst Museum Winterthur, im Kunstmuseum Basel und im Museum Rietberg in Zürich.
Die Auswahl kam an der Frühlingsauktion 2026 zum Aufruf; die «Intimités»-Mappe erzielte dort mit CHF 320'000 einen Weltrekord für Druckgrafik von Vallotton.