Die Sammlung Dr. Erika Pohl-Ströher: Eine Sammlerreise in drei Auktionen

Als Enkelin von Franz Ströher, dem Gründer der späteren Wella AG, schuf sich Erika Pohl-Ströher einen Namen als Mäzenin und leidenschaftliche Sammlerin. Ihre Begeisterung für Miniaturen wurde entfacht, als sie auf einer Kunstmesse zufällig das Bildnis eines jungen Mädchens mit einer Puppe entdeckte — es zog ihre Aufmerksamkeit auf sich, weil sie sich auch für Puppen interessierte. Von da an baute sie in fast vierzig Jahren eine der wichtigsten Privatsammlungen für Portraitminiaturen auf, just zu einem Zeitpunkt, als grosse Sammlungen früherer Generationen — darunter David-Weill, Clore und Holzscheiter — auf den Markt kamen.
Die rund 850 Porträts umfassen sämtliche Motive der Gattung, vom Bildnis eines Fürsten bis zur intimen Familienszene, und alle europäischen Traditionen und Techniken: Aquarell und Gouache auf Elfenbein, Öl auf Papier, Email- und Hinterglasmalerei. Mitunter sind auch die kunstvoll gearbeiteten Rahmen eigenständige Kunstobjekte. Wir durften diese Sammlung in drei Teilen versteigern — eine Reise über drei Auktionen.
Teil 1: Der Auftakt wird zur White-Glove-Auktion
Der erste Teil an der Frühlingsauktion 2024 übertraf alle Erwartungen: Sämtliche 211 Lose fanden neue Besitzerinnen und Besitzer, die Schätzpreise wurden deutlich übertroffen — im Auktionswesen heisst ein solcher Komplettverkauf «White Glove».
Teil 2: Neun Mal John Smart
Der zweite Teil an der Herbstauktion 2024 brachte neun Werke des Miniaturisten John Smart, darunter zwei mit «I» für Indien gekennzeichnete Arbeiten aus seiner Zeit auf dem Subkontinent. Dazu kamen prunkvolle Golddosen, eine seltene Miniatur Friedrichs II. von Anton Friedrich König — ein Vergleichsstück hängt im Schloss Charlottenburg — und eine bedeutende Doppelminiatur von Richard Cosway mit lückenlos dokumentierter Provenienz. Auch dieser Teil wurde vollständig verkauft.
Teil 3: Finale einer Sammlung
Mit den letzten 369 Losen an der Frühlingsauktion 2025 schlossen wir die Sammlerreise. Der finale Teil spannte einen Bogen über vier Jahrhunderte europäischer Portraitkunst — darunter eine 1965 in der Albertina gezeigte Miniatur von Heinrich Friedrich Füger, eine von nur etwa fünfzig bekannten Emailarbeiten von Jacques Thouron und Jean Désiré Munerets Portrait der Schauspielerin Mademoiselle Dupont.
Wenn der Hammer zum letzten Mal fällt, endet ein Kapitel — und eröffnet Sammlerinnen und Sammlern die Chance, Geschichte weiterzutragen. Die Versteigerung der Sammlung Pohl-Ströher gehört zu den umfangreichsten Sammlungsprojekten unseres Hauses.