Hauswirth und Saugy: Schweizer Scherenschnitte aus der Sammlung Haldi

Die Kunst des Scherenschnitts reicht in der Schweiz bis ins 17. Jahrhundert zurück. Ursprünglich als geselliger Zeitvertreib städtischer Bürgerfamilien gepflegt, fand das kunstvolle Schneiden von Papier bald seinen Weg aufs Land: Abends versammelte man sich, um mit Schere und Papier Silhouetten und Ornamente zu schaffen.
Der Bauernknecht mit den Drahtringen
Im Pays d'Enhaut erlebte der Scherenschnitt eine Blütezeit. Hier wirkte Johann Jakob Hauswirth (1809-1871), ein einfacher Bauernknecht und Tagelöhner, der als Begründer der schweizerischen Scherenschnitttradition gilt. Ohne Vorzeichnung schuf er filigrane Werke; um die Schere mit seinen klobigen Händen führen zu können, befestigte er Drahtringe an den Griffen. Seine Szenen zeigen das bäuerliche Leben — Alpaufzüge, Käsereien, Jagden, Feste — verschmolzen mit dekorativen Elementen zu imaginären Welten.
Louis David Saugy (1871-1953) aus Rougemont führte die Tradition fort. Als Postbote kam er in viele Bauernstuben und liess sich von Hauswirths Arbeiten inspirieren. Seine Scherenschnitte sind dynamischer, oft durch einzeln ausgeschnittene und aufgeklebte Figuren bereichert.
Die Scherenschnitte der Sammlung Haldi kamen an der Herbstauktion 2024 zum Aufruf; ein grosses Blumenbouquet von Hauswirth folgte an der Frühlingsauktion 2025.