Auktionshaus ZofingenAuktionshaus Zofingen
Kanne und Teekanne aus Silber, dahinter die Zeichnung eines Pokals

Geschichten zur AuktionHerbstauktion 2026

Wie Georg Adam Rehfues das Schweizer Tafelsilber revolutionierte

Eine Sammlung Berner Silber von Georg Adam Rehfues (1784 – 1858) vom Empire bis zum Louis-Philippe an der Herbstauktion 2026.

Publiziert am 25. Oktober 20262 Min. Lesezeit

Silber auf dem Esstisch war zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein bedeutendes Zeichen von Wohlstand und gesellschaftlichem Rang. Als der aus Tübingen stammende Silberschmied Georg Adam Rehfues 1808 in Bern seine eigene Werkstatt gründete, hob er diese Kunst auf ein völlig neues Niveau. Rehfues war nicht nur ein begnadeter Silberschmied, sondern auch ein visionärer Unternehmer: In seiner Manufaktur an der Aare nutzte er die Wasserkraft, um Teile der Produktion zu mechanisieren. Diese für die damalige Zeit innovative und rationelle Fertigungsmethode in Verbindung mit traditioneller Handwerkskunst eröffnete neue Möglichkeiten für eine vielseitige und vergleichsweise effiziente Herstellung von hochstehender und moderner Silberware.

In der mit zahlreichen Mitarbeitern betriebenen Manufaktur entstanden Silberarbeiten, welche die kühle, mondäne Formensprache des Empire in beeindruckender Varianz zeigen – Rehfues machte diesen Stil in der Schweiz quasi im Alleingang salonfähig. Auf den Tafeln des aufstrebenden Bürgertums stand nun prächtiges Silber verziert mit detailreichen, mythologischen Fabelwesen, Löwen, Schwänen und Delfinen sowie mit antikisierenden Palmetten und Zierfriesen. Häufig verewigten sich die Besitzer auch mit eingravierten Wappen und Inschriften, darunter die Familien de Pourtalès, von Herrenschwand und Kirchberger. Rehfues traf den Nerv der Gesellschaft in einem solchen Masse, dass sein Betrieb die weltliche und kirchliche Silberschmiedekunst über Jahrzehnte massgeblich dominierte. Seine Erzeugnisse fanden hohen Anklang, so dass er sich als einer der bedeutendsten Vertreter der Schweizer Silberschmiedekunst seiner Zeit etablierte.

In unserer Auktion kommt nun eine bemerkenswerte Sammlung zum Aufruf, die diese Glanzzeit in ihrer ganzen Breite dokumentiert. Das beeindruckende Ensemble spannt einen Bogen von seiner frühen, formstrengen Phase des Empire über die Restaurationszeit bis hin zum üppigeren Louis-Philippe-Stil. Neben repräsentativen Tee- und Kaffeeservices finden sich auch elegante Besonderheiten der historischen Tischkultur, wie etwa Confituriers, Salièren, Krüglein, Körbchen, eine Chocolatière oder Ménagen. Hinzu kommt eine Schreibgarnitur mit Tintenfass samt Streudosen wie auch Entwurfszeichnungen in Tusche für einen Pokal. Es sind herausragende Zeugnisse handwerklicher Raffinesse – gemacht für Sammlerinnen und Sammler, die echte Berner Pionierarbeit zu schätzen wissen.