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Hans Josephsohn, Messingrelief, 1975

Histoires de la venteVente d'automne 2026

Hans Josephsohn

Ein Messingrelief von Hans Josephsohn aus dem Jahr 1975 an der Herbstauktion 2026 in Zofingen.

Publié le 25 octobre 20262 min de lecture

Auf den ersten Blick könnte man das Relief für ein Stück aufgebrochene Erde halten. Kaum etwas erinnert an das glatte, glänzende Metall, das man bei einer Messingarbeit erwarten würde. Aus der dunklen, zerklüfteten Oberfläche schälen sich menschliche Gestalten heraus. Köpfe, Schultern und Körper lassen sich erahnen, doch kaum glaubt man, eine Figur erkannt zu haben, verschmilzt sie wieder mit dem massiven Untergrund. Hans Josephsohn (1920 –⁠2012) hat das Relief 1975 geschaffen, und es zeigt eindrücklich, wie eigenwillig seine Vorstellung von der menschlichen Gestalt war.

Der 1920 in Königsberg geborene Bildhauer floh 1938 vor der nationalsozialistischen Verfolgung in die Schweiz. In Zürich wurde er Schüler von Otto Müller und entwickelte über die folgenden Jahrzehnte eine ganz eigene Formensprache. Während sich die Kunstwelt immer neuen Strömungen zuwandte, blieb Josephsohn dem Menschen als künstlerischem Motiv treu. Ihn interessierte nicht die anatomische Perfektion, sondern die körperliche Präsenz einer Figur, ihre Schwere und ihr Verhältnis zum Raum. Seine Arbeitsweise war ebenso ungewöhnlich wie das Ergebnis. Josephsohn modellierte seine Plastiken zunächst in Gips, trug Schicht um Schicht auf, schlug im trockenen Zustand ganze Partien wieder ab und fügte neues Material hinzu. Die Spuren dieses kraftvollen Prozesses liess er bewusst stehen. Beim Guss wurden diese dauerhaft ins Metall übertragen. Jede Unebenheit, jede Vertiefung erzählt von seiner Arbeit. Die stellenweise schwarze Patina verstärkt die Tiefenwirkung und lässt die Figuren je nach Lichteinfall deutlicher hervortreten oder wieder im dunklen Grund verschwinden.

Im Entstehungsjahr unseres Reliefs war Josephsohn mit einer Einzelausstellung im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen und in der Ausstellung «Kunstszene Zürich 1975» im Kunsthaus Zürich vertreten. Die breite internationale Anerkennung folgte allerdings erst später. Heute zählt er zu den bedeutendsten europäischen Bildhauern der Nachkriegszeit. Wer vor seinem Relief steht, merkt schnell, dass es hier nicht um die möglichst genaue Darstellung des Menschen geht. Vielmehr scheint Josephsohn die menschliche Gestalt regelrecht aus der Materie herauszuarbeiten, ohne sie je vollständig von ihr zu lösen.