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Bronzen von Rolf Brem auf weissen Sockeln

Stories from the auctionAutumn Auction 2026

Rolf Brem: Die stille Schönheit der menschlichen Figur

Zum 100. Geburtstag von Rolf Brem vereint die Herbstauktion 2026 Bronzen aus mehreren Sammlungen.

Published on 25 October 20262 min read

Nun sei er ja weltberühmt, fragte ein Journalist im Interview, als Harald Szeemann 1992 seine Porträtköpfe für den Schweizer Kunstpavillon an der Weltausstellung von Sevilla zeigte. Ja, gab Rolf Brem (1926 –⁠2014) zurück, «weltberühmt schon, aber leider nur Meggen». Der Witz war trocken, die Bescheidenheit hatte einen doppelten Boden: Dahinter stand ein Bildhauer von seltener Unbeirrbarkeit, der sein Leben lang an dem festhielt, was die Avantgarde längst verabschiedet hatte, nämlich an der menschlichen Figur, ihrer Würde und ihrer Sinnlichkeit. Am 12. Februar dieses Jahres wäre der Luzerner hundert Jahre alt geworden.

Zu diesem Jubiläum haben wir Bronzen aus mehreren Sammlungen vereint, und wer sie beieinander sieht, begreift sofort, worum es ihm ging. Da ist die junge Frau, die auf einem Bein balanciert und sich wendend nach ihrem Fuss greift, so beiläufig, als fühle sie sich unbeobachtet. Da ist «Michèle», die Hände hinter dem Rücken verschränkt, das Kinn leicht gehoben, ganz bei sich. Eine dritte reckt sich dem Licht entgegen, eine vierte trägt einen weiten Umhang, der mehr zeigt, als er verbirgt, und das Mädchen im Rock steht so selbstverständlich da, als gäbe es nichts Einfacheres. Zu ihren Füssen wacht, wettergegerbt, ein Hirte in Pelerine mit Hut, Stab und Hund.

Brem suchte weder das Drama noch die grosse Geste. Ihn fesselte die stille Anmut einer Gestalt, die in sich ruht und deren Ausdruck ganz leise von innen kommt. Die Schönheit festzuhalten, darin sah er seine Aufgabe, und er meinte keine Idealschönheit, sondern jene, die im Leben selbst liegt: in einer Drehung des Kopfes, einem verlagerten Gewicht, einem versunkenen Augenblick. Seine Akte wirken deshalb nie entblösst. Sie strahlen eine Wärme aus, die in der Plastik seiner Zeit selten geworden war.

Gelernt hat er bei Karl Geiser in Zürich, dem er fast zehn Jahre zur Hand ging, nachdem ihm ein Berufsberater jede Eignung abgesprochen hatte. Vertraut hat er zeitlebens seinem gestalterischen Gespür: Beim Modellieren, sagte er, sähen die Hände mehr als die Augen. Geglättet hat er wenig. Das Licht verfängt sich an jeder Kante, und noch im fertigen Guss, den er im Tessin im Wachsausschmelzverfahren ausführen liess, sind die Spuren seiner Hände zu lesen, die das Werk geformt haben.

Man möchte diese Figuren berühren, und das ist wohl das schönste Kompliment, das sich einer Bronze machen lässt. In Luzern zeigt sich das seit Jahrzehnten: Die Köpfe der Schafe, die der grosse Bruder unseres Hirten dort vor dem Theater hütet, sind von unzähligen Händen blank gestreichelt. In unserer Vorbesichtigung stehen Brems charmante Plastiken zum Greifen nah.